Museums-Frachter „Cap San Diego“: Bei diesem TÜV muss der Taucher ran | Regional


Kiel – Grün schimmert das Wasser der Kieler Förde neben dem mit Muscheln bedeckten Ruderblatt auf den Monitoren.

Profitaucher Stefan Ossenbrüggen (41) sendet das Unterwasservideo seiner Helmkamera unter dem Rumpf des Stückgutfrachters „Cap San Diego“ über ein 80 Meter langes Kabel an den Einsatzleiter im Tauchtruck auf dem Sartorikai in Kiel.

Die Live-Bilder sind Teil der aufwendigsten TÜV-Prüfung Deutschlands, für die der größte noch fahrende Museumsfrachter der Welt eigens 195 Kilometer von Hamburg entfernt durchgeführt wurde Nord-Ostsee-Kanal musste nach Kiel segeln.

Taucher Stefan Ossenbrüggen (41) prüft am Sartorikai, ob das Funkgerät im Helm funktioniert

Taucher Stefan Ossenbrüggen (41) prüft am Sartorikai, ob das Funkgerät im Helm funktioniert

Foto: Sybill Schneider

Grund: Im Hamburger Hafen ist das Wasser aufgrund starker Gezeitenströmungen zu trüb für Taucher, während die Sichtweite in der ruhigeren Förde bis zu 3 Meter beträgt, was für Schiffskontrollen ausreicht.

Unter dem weiß-roten Heck steigen Luftblasen aus dem Propeller auf. In drei Metern Tiefe schabt der Unterwasserinspektor mit der Rückseite seines Tauchermessers Algen vom Ruderblatt, um eine Schweißnaht zu prüfen.

Gefährlicher Job: Der Steuertaucher zwischen Ruderblatt und Propeller unter dem Heck der „Cap San Diego“

Gefährlicher Job: Der Steuertaucher zwischen Ruderblatt und Propeller unter dem Heck der „Cap San Diego“

Foto: Sybill Schneider

Sein Tauchchef Thomas Jahnke (61) hört über Lautsprecher im Truck die gleichmäßigen Atemgeräusche (klingt wie Starschurke Darth Vader) und gibt Anweisungen nach unten: „Schau nach oben, ist da ein Loch?“ Die Kamera am gelben Helm mit blauem Atemluftschlauch schwenkt nach oben. Die Naht ist ok.

Komplett verkabelter Taucherhelm – Luft strömt durch den blauen Schlauch, eine Videokamera neben Scheinwerfern

Komplett verkabelter Taucherhelm – Luft strömt durch den blauen Schlauch, eine Videokamera neben Scheinwerfern

Foto: Sybill Schneider

Knapp 160 Meter Rumpf werden gefilmt, gescannt und an manchen Stellen freigeschabt. Bei den Seekisten, durch die Kühlwasser in den Maschinenraum gesaugt wird, muss das Schutzgitter geschüttelt werden, um sicherzustellen, dass es fest sitzt. Ein harter Job für Ossenbrüggen.

Viel Verkehr auf der Kieler Förde: Eine Norwegen-Fähre passiert die „Cap San Diego“, wo Taucher arbeiten

Viel Verkehr auf der Kieler Förde: Eine Norwegen-Fähre passiert die „Cap San Diego“, wo Taucher arbeiten

Foto: Sybill Schneider

Zu BILD sagte er vor dem Tauchgang mit Helm: „Da unten brauche ich keine Uhr, ich hänge am Atemluftschlauch.“ Und für den Notfall trägt er eine weiße Druckluftflasche auf dem Rücken, die sich per Helmhebel schnell einschalten lässt.

Die TÜV-Checkliste ist lang und umfasst z. B. auch: „Unversehrtheit und Wasserdichtheit des Rumpfes und des Unterwasserschiffes“, Prüfung unter anderem von Leckageschrauben, Welle/Stevensrohr, Rollkiel, Stahldickenmessungen.

„Diego“-Kapitän Birger Möller (76) war mehr als 40 Jahre auf See und begann 1967 mit dem Segeln auf dem Hamburg Süd-Schwesterschiff „Cap San Antonio“. Jetzt blickt er mit Chefingenieur Joachim Stüber (70) auf die Unterwasserschirme. im roten Overall.

Freuten sich über den TÜV-Stempel: Chefingenieur Joachim Stüber (70, links) und Kapitän Birger Möller (76)

Freuten sich über den TÜV-Stempel: Chefingenieur Joachim Stüber (70, links) und Kapitän Birger Möller (76)

Foto: Sybill Schneider

Im Monitorraum knistert die Spannung. Risse im Rumpf bedeuten ein Fahrverbot für den Frachter. Und das wäre schlecht für die Bordkasse, die aufgrund fehlender Gästefahrten bereits nach der Pandemie eine Einnahmelücke aufweist.

Stüber, der früher 30 Jahre lang im stillgelegten Kernkraftwerk Brokdorf gearbeitet und es 1986 sogar in Betrieb genommen hat: „Wir sind seit der letzten Andockung im März 2021 nur rund 200 Stunden gefahren und hatten keinen Grundkontakt.“ Eigentlich sollte am Rumpf nichts sein.“

Spannung pur: Taucher, TÜV und Crew blicken auf die Monitore mit Unterwasserbildern des Schiffsrumpfes

Spannung pur: Taucher, TÜV und Crew blicken auf die Monitore mit Unterwasserbildern des Schiffsrumpfes

Foto: Sybill Schneider

Nach vier Stunden Tauchgang gab es vom Prüfer der Klassifikationsgesellschaft ein „Daumen hoch“ – die alte Dame hat es erneut geschafft und sich ihren „TÜV-Stempel“ ins Logbuch geholt, das mittlerweile nur noch digital verfügbar ist.

Am Mittwochabend sollte der alte Frachter wieder am Liegeplatz an der Überseebrücke sein.

Alle Gästereisen für 2024 gibt es unter www.capsandiego.de.

Die „Cap San Diego“ liegt am Sartorikai in Kiel – am Mittwochabend soll sie wieder in Hamburg sein

Die „Cap San Diego“ liegt am Sartorikai in Kiel – am Mittwochabend soll sie wieder in Hamburg sein

Foto: Sybill Schneider

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