Gutachter fürchtet Wiederholungsgefahr bei Horrorhaus-Täter



Im Fall des Täters im sogenannten Höxter-Gruselhaus sieht ein Experte eine große Gefahr, dass sich schwere Straftaten wiederholen. Es bestehe ein hohes Risiko, dass er innerhalb weniger Monate nach seiner Haftentlassung erneut solche Taten begehe, sagte der Psychiater Johannes Fuß, der Wilfried W. im Auftrag des Landgerichts Paderborn untersuchte, am Mittwoch. Nach Angaben des Experten verfügt er über ein hohes Maß an Manipulationsfähigkeiten und eine antisoziale Persönlichkeitsstörung.

Wilfried W. folterte mit seiner ebenfalls verurteilten Ex-Frau jahrelang mehrere Frauen in dem Haus im Osten Nordrhein-Westfalens. Zwei der niedersächsischen Opfer starben nach Monaten schwerer Misshandlung völlig abgemagert. Er wurde 2018 zu elf Jahren Gefängnis verurteilt.

In dem seit Ende August laufenden Prozess müssen die Richter entscheiden, ob der heute 53-Jährige nach Verbüßung seiner Haftstrafe in Sicherungsverwahrung genommen wird. Dazu muss eine hohe Wahrscheinlichkeit zukünftiger schwerer Straftaten vorliegen.

Seine Untersuchung ergab das Bild eines psychopathischen Mannes, der vordergründig charmant und kindisch naiv wirkte, sagte der Gerichtsmediziner Fuß. „Unter der Oberfläche gibt es einen kalten Menschen“, der nicht in der Lage ist, Mitgefühl für seine Opfer oder Reue für seine Taten zu zeigen. Stattdessen beharrt er selbst darauf, Opfer sadistischer Frauen gewesen zu sein – eine Einschätzung, die mit den festgestellten Straftaten nicht vereinbar ist und eine Therapie erschwert.

Am Mittwoch sollte ein weiterer Experte eine Einschätzung abgeben. Die Verteidigung hat unter anderem auch beantragt, den Sachverständigen aus dem Ausgangsverfahren als Zeugen zu benennen. Sie kam damals zu dem Schluss, dass W. nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden könne. Im Jahr 2018 wurde der Angeklagte dann als mindermündig eingestuft und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Ein Gericht hob dies 2020 auf, nachdem Zweifel an der eingeschränkten Kontrollfähigkeit aufkamen. Seitdem befindet er sich im regulären Gefängnissystem.

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