Entwicklungsministerin Schulze kritisiert Schoko-Konzerne | Politik



Osterzeit ist Schokoladenzeit! Nach Angaben des Verbandes der Süßwarenindustrie wurden im Jahr 2024 in Deutschland 240 Millionen Schokoladen-Osterhasen produziert, deutlich mehr als im Jahr 2023. Kein Wunder: Hersteller können ihre Schokolade in Hasenform bis zu 27 Prozent teurer verkaufen als in Tafelform. Dadurch steigerten sie ihren Gewinn deutlich.

Nun kritisiert Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (55, SPD), dass kaum etwas von den süßen Gewinnen der Süßwarenkonzerne bei den Menschen landet, die am Anfang der Schokoladenkette stehen: den Kakaobauern in Westafrika.

„Von den guten Geschäften der Schokoladenhersteller profitieren vor allem ihre Eigentümer. Es darf nicht so bleiben, dass Schokoladenkonzerne große Gewinne machen, während Kakaobauern von ihrer Arbeit nicht leben können“, sagt Schulze zu BILD. „Auch wenn die Kakaopreise aufgrund des Klimawandels und von Ernteausfällen zuletzt gestiegen sind, kommt leider zu wenig davon bei den Kakaobauern an.“

Wie gut die Geschäfte der Süßwarenhersteller derzeit laufen, zeigt ein Blick in andere europäische Länder. Der Schweizer Konzern Lindt & Sprüngli erwirtschaftete im Jahr 2023 satte 671 Millionen Schweizer Franken (690 Millionen Euro), 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Der italienische Hersteller Ferrero (u.a. Nutella, Rocher) hat im vergangenen Jahr so ​​viel Gewinn mit Schokolade aus Afrika gemacht, dass die Eigentümer 765 Millionen Euro Dividende ausschütten konnten.

Schulze sieht die Hersteller in der Pflicht

Riesige Gewinne für unsere Schokoladenhersteller, während die Bauern in Armut leben? Dem Minister platzt der Kragen.

„Das neue EU-Lieferkettengesetz wird Unternehmen ohnehin dazu verpflichten, ihre Einkaufspraktiken zu verbessern“, sagt Schulze. „Ich gehe davon aus, dass Handel und Industrie jetzt damit beginnen, damit endlich mehr Geld bei den Kakaobauern in Westafrika ankommt. Das ist nicht nur moralisch richtig, sondern auch besser für zukünftige Geschäfte: Wer fair handelt, ist dann im Vorteil.“

Deutschland spielt im Kakaobohnengeschäft eine große Rolle und importiert elf Prozent der auf dem Weltmarkt gehandelten Menge. 44 Prozent kommen aus der Elfenbeinküste und 15 Prozent aus Ghana.

Brisant: Nach Angaben des Entwicklungsministeriums arbeiten in beiden Ländern eineinhalb Millionen Kinder im Kakaosektor. Die Mehrheit der Kakaobauern lebt unterhalb der Armutsgrenze und nur ein Drittel der Kakaobauern in der Elfenbeinküste erhält ein angemessenes Einkommen.

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