Bodensee-Wasserwerke kämpfen gegen Quaggamuschel | The Local Germany



Die Wasserwerke am deutschen und schweizerischen Bodenseeufer kämpfen gegen die invasive Quagga-Muschel, die sich rasant ausbreitet. Für die Trinkwasserqualität sei es kein Problem, aber es setze sich in Leitungen und Filteranlagen fest, sagte eine Sprecherin der Bodenseewasserversorgung der dpa. Obwohl Vorarlberg kein Trinkwasser aus dem See erhält, bereitet die vor rund zehn Jahren aus der Schwarzmeerregion eingeschleppte Art der hiesigen Fischerei Probleme.

In Baden-Württemberg trinken rund vier Millionen Menschen Wasser aus dem Bodensee. Die Wasserversorger setzen spezielle Filter, größere Rohre und neue Reinigungsmethoden ein, um den bis zu vier Zentimeter langen Eindringling zu bekämpfen. Laut einer Studie der Universität Konstanz könnte die invasive Muschel Schäden in Millionenhöhe verursachen. Auch am Genfer- und Bielersee ist es bereits angekommen, der Zürichsee ist jedoch noch frei davon. Bootsbesitzer sind verpflichtet, ihre Boote vor dem Einsatz im Zürichsee zu reinigen. Laut einem der Studienautoren kann die Ausbreitung der Muschel in bereits befallenen Gebieten nicht mehr gestoppt werden.

Der Studie zufolge wird die Masse der Quagga-Muscheln pro Quadratmeter im Bodensee, Genfersee und Bielersee in den nächsten zwei Jahrzehnten voraussichtlich um das Neun- bis Zwanzigfache zunehmen, was vor allem auf eine größere Population in den tieferen Bereichen der Seen zurückzuführen ist. Dies könnte zu großen Veränderungen im Ökosystem führen. Die Wasserversorgung des Bodensees schätzt, dass der Bodensee etwa 15 Jahre von der Situation am Michigansee in den USA entfernt ist. Die Muschel hat sich dort so stark ausgebreitet, dass sie inzwischen 90 Prozent der Biomasse ausmacht.

Auf jeden Fall hat die invasive Muschel den Bodensee längst erobert. Erstmals im Jahr 2016 entdeckt, hat es sich seitdem massiv ausgebreitet und ist mittlerweile praktisch überall im See zu finden. Dies hatte und hat bis heute drastische Auswirkungen auf das Ökosystem Bodensee: Da sich die Quagga-Muschel unter anderem von Plankton ernährt, das sie aus dem Seewasser filtert, geraten andere Arten – etwa die Bodensee-Felchen – vernachlässigt.

Dies hat unter anderem dazu geführt, dass sich die Situation der Bodenseefischerei enorm verschlechtert hat. Wurden bis 2015 rund um den Obersee 400 bis 600 Tonnen Speisefisch gefangen – zwei Drittel davon waren Felchen –, liegt der Durchschnitt seither bei 270 Tonnen. Im Jahr 2022 belief sich der Fang auf 153 Tonnen Fisch. Damit sich der Weißfischbestand erholen kann, gilt ab 2024 ein dreijähriges Fangverbot.

Der Name der Muschel stammt vom ausgestorbenen Quagga-Zebra, dessen Muster den Ringen auf seinem Panzer ähnelte. Die Quagga-Muschel (Dreissena rostriformis) stammt aus dem Aralsee und den Nebenflüssen des Schwarzen Meeres. Von dort wurden ihre winzigen Larven mit Booten, Wassersportgeräten und auch Vögeln nach Mitteleuropa und Nordamerika transportiert. Seine hohe Toleranz gegenüber Temperatur, Nährstoffarmut oder Salzgehalt erleichtert es ihm, in neuen Lebensräumen Fuß zu fassen und dort heimische Arten zu verdrängen.

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