Privater Wohnbau: Oberbank-Chef sieht Talsohle durchschritten


„Wir haben die Talsohle durchschritten“, sagte der Bankchef am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz. Allein im ersten Quartal 2024 stieg die Nachfrage nach Wohnbaukrediten um ein Fünftel. Im weiteren Jahresverlauf dürfte zudem das geplante Baupaket der Regierung für weitere Impulse sorgen.

„Wir merken, dass sich junge Erwachsene an die höheren Zinsen gewöhnt haben“, sagte Gasselsberger zur Entwicklung der Nachfrage nach Baufinanzierungen. Das steigende Lohnniveau nach den hohen KV-Vereinbarungen, die sinkenden Immobilienpreise, die Erwartung sinkender Leitzinsen und die Lockerung der bürokratischen Hürden bei den Ausnahmequoten für Wohnungsbaukredite dürften die Stimmung weiter aufhellen, so der Bankchef.

Positive Impulse sieht er auch im jüngst von der Regierung beschlossenen Baupaket; Insgesamt dürfte es dazu beitragen, den Wohnungsbau wieder anzukurbeln. Vor allem die Geschwindigkeit bei der Umsetzung der angekündigten Maßnahmen sei „überraschend positiv“ gewesen. Gasselsberger befürchtet nicht, dass die im Baupaket enthaltenen günstigen Staatskredite den Banken Konkurrenz machen könnten.

Insgesamt beurteilt er die Arbeit der amtierenden Regierung jedoch kritischer. „Wir haben in den letzten Jahren nicht viel von Reformen gesehen“, sagte der Bankchef. Von den kommenden Monaten erwartet er nicht viel Neues; vielmehr werden die Parteien einen Vorwahlkampf führen, der nahtlos in den Wahlkampf übergehen soll.

„Sehr erfolgreiches Jahr“

Mit der Entwicklung des Bankgeschäfts im vergangenen Jahr zeigte sich der Gasselsberger allerdings sehr zufrieden. 2023 sei „ein sehr erfolgreiches Jahr für die Oberbank“ gewesen. Das Kreditgeschäft wuchs um 4,6 Prozent auf 20,1 Milliarden Euro. Vor allem bei Krediten für Geschäftskunden (Gewerbekredite) gab es ein deutliches Plus von 7,2 Prozent. Stark entwickelte sich auch das Leasinggeschäft mit einem Zuwachs von 18,2 Prozent im Neugeschäft. Besonders gut lief es in Deutschland, was auch daran liegt, dass sich dort mehrere Leasinganbieter vom Markt zurückgezogen haben.

Das Zinsergebnis stieg um 47 Prozent auf 596,8 Millionen Euro und auch das At-Equity-Ergebnis, das maßgeblich durch die voestalpine-Beteiligung bestimmt wird, stieg um 38,3 Prozent auf 125,4 Millionen Euro. Das Provisionsergebnis sank hingegen um 5,2 Prozent auf 196,1 Millionen Euro. Unterm Strich stand ein Gewinn nach Steuern von 382,6 Millionen Euro, ein Plus von 57,3 Prozent.

Allerdings ist auch das Kreditrisiko gestiegen, die Risikovorsorge stieg um 17,3 Prozent auf 443,1 Mio. Euro. Dies war vor allem auf die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt zurückzuführen. Allerdings sprach Gasselsberger von einer Normalisierung nach einem äußerst niedrigen Niveau in den Vorjahren.

Optimistischer Ausblick

Die Oberbank geht davon aus, dass sich der konjunkturelle Abschwung in diesem Jahr auch auf das Kreditrisiko im Firmenkundengeschäft auswirken wird. Allerdings könnte für die zweite Jahreshälfte eine leichte konjunkturelle Erholung in Sicht sein, was sich wiederum positiv auf das Risiko auswirken dürfte. Der Optimismus basiert auf Kundengesprächen sowie der Erwartung niedrigerer Inflation und Zinsen sowie der Erwartung realer Lohnsteigerungen.

Generell ist ein Ausblick für dieses Jahr aufgrund der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungen in den USA und Europa schwierig. Während es in den USA und auf der ganzen Welt inzwischen besser läuft, ist Europa immer noch schwach.

Gasselsberger äußerte sich auch zum seit mehreren Jahren andauernden Rechtsstreit mit der UniCredit. Aus rechtlicher Sicht war das vergangene Jahr sehr erfolgreich. „UniCredit hat bisher alles verloren“, sagte der Bankchef. Im Sommer 2023 entschied der Oberste Gerichtshof, dass die Unternehmensstruktur der 3-Banken-Gruppe und alle bisherigen Kapitalerhöhungen rechtmäßig seien.

Allerdings sind in dem Streit noch viele weitere Baustellen offen. Die UniCredit Bank Austria legt Berufung gegen eine erstinstanzliche Entscheidung der Übernahmekommission ein, nachdem es ihr nicht gelungen ist, die drei Banken (Oberbank, BTV, BKS) unter ihre Kontrolle zu bringen. Die UniCredit Bank Austria verlangt von der Oberbank zudem die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen gegen den eigenen Vorstand. Laut Gasselsberger handelt es sich um eine Summe von 3 Millionen Euro.

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