Sturm im Cup-Schlager in Salzburg mit Chance auf Revanche



Es ist eine großartige Gelegenheit zur Rache. Sturm Graz könnte Red Bull Salzburg am Donnerstag (20.45 Uhr/live ORF 1) im Halbfinale des ÖFB-Cups den Weg zum möglichen Double versperren. Im Ligahit mussten sich die Grazer am Sonntag zu Hause dem Serienmeister mit 0:1 geschlagen geben. Zudem wurden sie nach roten Karten in der hitzigen Schlussphase der Neuauflage dezimiert. An den jüngsten Cup-Auftritt in Salzburg hat der Titelverteidiger allerdings gute Erinnerungen.

Im vergangenen Februar setzte sich Sturm im Viertelfinale nach einem 1:1-Unentschieden im Elfmeterschießen durch. Auch in der Liga gab es in dieser Saison zwei Unentschieden (2:2, 1:1), ehe die Bulls am Sonntag mit dem Sieg im Meisterschaftsrennen fünf Punkte vom ersten Verfolger abzogen. „Wir haben das letzte Spiel sehr positiv abgeschlossen, jetzt sind die Sensoren auf den Pokal gerichtet“, betonte Salzburg-Trainer Gerhard Struber. „Wir wollen ins Finale kommen und den Titel gewinnen.“

Wir haben im Ligahit gesehen, wie man Sturm technisch und taktisch schaden kann. „Der Sieg in Graz tut uns gut, aber wir werden deswegen nicht wegfliegen“, versicherte Struber. „Wir können es ganz gut einordnen.“ Dies gilt auch für die Veranstaltungen in der Schlussphase. Nach der Gruppenbildung sahen die Sturm-Spieler Jon Gorenc Stankovic und Dimitri Lavalee sowie Salzburgs Lucas Gourna-Douath Rot. Nach dem Schlusspfiff folgte Sturm-Sportdirektor Andreas Schicker, der demonstrativ vor dem Schiedsrichter kniete.

„Ich möchte nicht zu sehr kommentieren, was in Richtung des Sturms passiert ist. Wir konzentrieren uns auf uns selbst und werden leidenschaftlich und mit der nötigen Intensität und Aggressivität an die Sache herangehen“, erklärte Struber vor dem Wiedersehen. In einem Spitzenspiel muss man sich auf den ein oder anderen „emotionalen Höhepunkt“ einstellen. „Im Pokal wird es auch Emotionen geben. Es muss eine gute Verbindung zwischen Herz und Gehirn bestehen, damit wir nicht zu Passagieren von Emotionen werden.“

Der Matchplan stehe bereits, ergänzte Mads Bidstrup, der in Graz den entscheidenden Treffer erzielte. „Das war nicht unwichtig. Gegen einen Sturm ist es immer schwierig. Wir erwarten Intensität und körperliche Kraft“, sagte der Däne. Die Bulls sind im nationalen Geschäft seit 15 Spielen in Folge ungeschlagen. Sie haben im Jahr 2024 noch kein Pflichtspiel verloren. Bidstrup: „Wir haben viel Selbstvertrauen in der Mannschaft, aber wir stehen mit beiden Beinen auf dem Boden.“

Abgesehen vom gesperrten Gourna-Douath wird Salzburg mit einer weitgehend unveränderten Startelf auflaufen. Lediglich die kürzlich verletzten Außenverteidiger Amar Dedic und Aleksa Terzic scheinen wieder Optionen zu sein. „Bei Dedic sieht es gar nicht so schlecht aus“, sagte Struber über seinen Kapitän. „Aber wir wollen nichts kaputt machen.“

Nach dem turbulenten Abschluss fehlen den Grazern mit Gorenc Stankovic und Lavalee zwei Schlüsselspieler im defensiven Mittelfeld. Kapitän Stefan Hierländer könnte daher von Beginn an einen seltenen Auftritt haben, Alternative ist Niklas Geyrhofer. Offensivmann Otar Kiteishvili steht nach seinen Wadenproblemen vor einem Comeback. In den ersten beiden Saisonduellen mit Salzburg punktete jeweils Sturms Differenzspieler. „Elf starke Spieler, die Lust auf die Aufgabe haben, werden starten“, versprach Trainer Christian Ilzer. Allerdings war auch ein namentlich nicht genannter regulärer Mitarbeiter erkrankt. „Wir haben nicht die beste Band.“

Das Thema Rudelbildung inklusive der folgenden Aus- und Sperren im Verhältnis 3:1 gegen Sturm will Ilzer hinter sich gelassen haben. Er verwies auf seine Herkunft aus dem Apfeldorf Puch bei Weiz und wagte sich in die Botanik. „Die Förderung von Spitzentrieben ist normaler Natur“, sagte der Steirer. „Ich habe diese Erklärung gefunden und so schnell Frieden gefunden.“

Die „Förderung von Spitzentrieben“ – Ilzer sprach in diesem Zusammenhang auch von einer „Verzerrung“ – gibt es auch in anderen Ligen, in verschiedenen Gruppen, in der Natur und in der Gesellschaft. „Die Person an der Spitze hat noch mehr Unterstützung und noch mehr Gunst. Das wird sich auch nicht ändern.“ Es ist wichtig, das Beste aus den verfügbaren Optionen herauszuholen. „Irgendwann werden auch wir der stärkste Ast am Baum sein.“

Wenn man es den Salzburgern in der Liga nicht so einfach mache, werde der „Realitätsschock“ für die Bullen in der Champions League vielleicht nicht so groß ausfallen, mutmaßte Ilzer. „Ich denke, wir waren in den Spielen dieser Saison auf Augenhöhe.“ Im Vergleich zum Sonntag müssen wir im letzten Drittel bessere Lösungen finden. „Wir müssen qualitativ hochwertigen, präzisen und schnellen Fußball spielen – und Fernando auch in der Gegenrichtung in den Griff bekommen“, warnte Ilzer vor Salzburgs Offensiv-Ass.

In den letzten fünf Pflichtspielen feierte Sturm nur einen Sieg. Allerdings sind sie im Cup seit zehn Spielen ungeschlagen, die letzte Niederlage im Wettbewerb gab es bisher gegen die SV Ried im Oktober 2021 (1:2). Letztes Jahr besiegten die Grazer Rapid im Finale in Klagenfurt mit 2:0. „Wir wollen unseren Pokaltitel verteidigen. „Es war letztes Jahr ein fantastisches Abschlussspiel“, betonte Ilzer.

In den vergangenen zehn Cup-Ausgaben hieß der Titelträger stets Sturm oder Salzburg. 2018 und 2023 beendeten die Steirer eine vierjährige Herrschaft der Bulls und verhinderten damit weitere Doubles. Ob die Liga oder der Pokal wichtiger sei, wollte Ilzer nicht beantworten. „Beides ist gleich wichtig. Es ist eine Herkulesaufgabe in der Meisterschaft in Österreich, aber wir geben noch lange nicht auf. Im Fußball gibt es immer Raum für Überraschungen.“

Beim Elfmeterschießen trainierten beide Trainer vor dem K.-o.-Duell. „Das ist eine Tradition vor einem Pokalspiel“, sagte Struber. „Auf dem Weg zum Elfmeterpunkt muss man einen klaren Kopf haben“, fügte Ilzer hinzu. Anders als beim Ligaduell in Graz wird das Stadion keineswegs ausverkauft sein. Laut Salzburg wurden bis Mittwochmittag 10.200 Tickets verkauft. Der Auswärtssektor ist voll.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: