Medikamentenmangel: Ärztekammer mahnt bessere Maßnahmen ein



Zuletzt kam es auch bei verschiedenen Medikamentengruppen zu Engpässen und Lieferschwierigkeiten. Steinhart fordert „Unabhängigkeit“ durch Produktion in Europa.

Wegen des Mangels an bestimmten Medikamenten in den vergangenen beiden Wintern forderte die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) am Mittwoch bessere Maßnahmen. Auch in der nun zu Ende gehenden Erkältungszeit habe es Engpässe gegeben, erinnerte ÖÄK-Präsident Johannes Steinhart an das Covid-Medikament Paxlovid und Vertriebsschwierigkeiten beim verschreibungspflichtigen Grippeimpfstoff. Der wichtigste Punkt ist „Unabhängigkeit“ und die Ansiedlung der Produktion in Europa.

Um Produktionsstätten nach Europa und Österreich zu bringen, müsse die Politik Rahmenbedingungen schaffen, betonte Steinhart. Es darf keine „Parallelexporte“ geben und die Preislücke muss unter Kontrolle gebracht werden. „Dafür wären natürlich auch faire Preise für Medikamente notwendig“, sagte der ÖÄK-Präsident bei einer Pressekonferenz in Wien.

Die in diesem Winter eingerichteten Wirkstofflager, um Medikamente in Apotheken produzieren zu können, würden „ganz gut“ klingen. Aber die Logistik ist ein Problem. Zudem „erschweren die Verfallsdaten die Einschätzung, was man tatsächlich lagert.“ Eine Stärkung des Produktionsstandortes Österreich und gemeinsame Maßnahmen seien bessere Maßnahmen gegen den Arzneimittelmangel. Auch ÖÄK-Vizepräsident Harald Mayer sah das Wirkstofflager nur „kurzfristig“ hilfreich. „Ich halte den selbstgefälligen Applaus der Politiker für diese Idee für unnötig.“

Die Wirkstoffvorräte würden bisher nicht benötigt, allerdings habe es auch bei Medikamenten für die Erkältungsperiode zu Engpässen oder Lieferengpässen gekommen, wurde bei der Medienveranstaltung betont. Auf Nachfrage stellte Edgar Wutscher, ebenfalls ÖÄK-Vizepräsident, einen „gewissen Gewöhnungseffekt“ in der Bevölkerung fest, dass die Begeisterung für das Thema im vergangenen Winter nicht so groß gewesen sei wie im Winter zuvor. Steinhart verwies auch auf den Mangel an blutdrucksenkenden Medikamenten, Krebsmedikamenten, Medikamenten zur Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems oder zum Schutz des Magens.

Der ÖÄK-Präsident sprach sich weiterhin gegen die Verschreibung von Wirkstoffen anstelle der Verordnung bestimmter Arzneimittel aus. Österreich solle es sich leisten, „dass wir als reiches Land eine gewisse Wahl haben“, sagte Steinhart. In ganz Europa ist es interessant, neben nationalen auch internationale Strategien zu entwickeln. Es bestehe „großer Handlungsbedarf“, sagte er mit Blick auf den kommenden Herbst und Winter.

Der Verband der Pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) war sich mit der Ärztekammer einig, dass es sinnvoll sei, entsprechende Rahmenbedingungen für die europäische Arzneimittelproduktion zu schaffen. Dies werde Geld kosten, sowohl „im Auf- und Ausbau der Anlagen als auch bei den Produkten selbst. Gleichzeitig schafft die Pharmaproduktion Arbeitsplätze, Investitionen vor Ort und generiert so wieder Mehrwert“, erklärte Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog eine Pressemitteilung.

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