Hamburg: Fisch-König schließt nach 111 Jahren | Regional


Hamburg – Es ist ein Traditionsunternehmen. Eine Institution im Norden Deutschlands. Fischküfer. 1913 in Hamburg eröffnet. Generationen kauften dort ihren Lachs-, Herings- oder Krabbensalat. Zu den treuen Kunden gehörten auch Musiklegende James Last (†86) und Sänger Roger Cicero (†45). Doch nun schließt das Geschäft für immer.

“Es ist wirklich traurig. Aber hart arbeiten will keiner mehr“, sagt Geschäftsführer Frank Giesler (57). Bis zuletzt hatten die Kunden darauf gehofft Fisch-Geschäft wird wiedereröffnet. Doch es fehlt an Personal. Statt mindestens acht waren es am Ende nur noch vier Mitarbeiter.

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg steht die Unternehmerfamilie Böttcher vor dem Fischgeschäft in Hamburg-Winterhude

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg steht die Unternehmerfamilie Böttcher vor dem Fischgeschäft in Hamburg-Winterhude

Foto: Henning Schaffner

Der Fischexperte: „So kann ich nicht mehr weitermachen. Ich habe 60 Stunden pro Woche gearbeitet. Kaum jemand ist bereit, am Ende des Tages stundenlang auf den Beinen zu stehen, nach Fisch zu riechen und dann in Gummistiefeln mit der Bürste den Laden zu schrubben. Viele Leute bleiben deshalb dort Bürgergeld lieber zu Hause. Früher gab es Arbeitsdruck. Das hat sich geändert.“

Das Meldeformular von 1913 mit einem Stempel der Hamburger Polizei

Das Meldeformular von 1913 mit einem Stempel der Hamburger Polizei

Foto: Henning Schaffner

Ein weiterer Grund: „Obwohl wir über dem Mindestlohn gezahlt haben, ist es schwierig, qualifizierte Mitarbeiter zu finden.“ Und mit jeder Erhöhung des Mindestlohns muss ich unseren Mitarbeitern ein entsprechend höheres Gehalt zahlen. Das rechnet sich nicht. Ich weiß, dass es kein Traumjob ist. Doch für viele Menschen reicht das Geld nicht aus. Aber kleinere Unternehmen können einfach nicht mehr bezahlen.“

Schlange stehen für Fische.  Nach dem Zweiten Weltkrieg war Fisch ein knappes und begehrtes Nahrungsmittel

Schlange stehen für Fische. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Fisch ein knappes und begehrtes Nahrungsmittel

Foto: Henning Schaffner

Steigende Fischpreise sind auch ein Grund für das Ende von Fisch-Böttcher. Kostete ein Kilo Lachsfilet vor zehn Jahren etwa 30 Euro, sind es heute bis zu 50 Euro. „Gerade Familien sind für uns wichtige Kunden. Doch viele von ihnen können sich die hohen Preise nicht mehr leisten.“

Werden nicht mehr benötigt.  Zur Erinnerung liegen die Preisschilder von Fisch-Böttcher in einem Korb

Werden nicht mehr benötigt. Zur Erinnerung liegen die Preisschilder von Fisch-Böttcher in einem Korb

Foto: Henning Schaffner

Was den Fischkönig wirklich bewegt: Viele Kunden haben kleine Zettel an die Schaufenster des geschlossenen Ladens geklebt: „Wir sind traurig“, „Was für ein Verlust für unseren Bezirk“, „Bitte kommen Sie wieder!“

Der Fischhändler vor seinem geschlossenen Laden.  Das Ende einer Institution

Der Fischhändler vor seinem geschlossenen Laden. Das Ende einer Institution

Foto: Henning Schaffner

Doch für Frank Giesler steht die Schließung fest: „Zuerst mussten viele Metzgereien wegen der hohen Kosten schließen, dann auch Bäcker und Blumenläden.“ Und jetzt trifft es die Fischhändler. Qualität und Handwerkskunst bleiben dabei auf der Strecke.“

Traurig blickt er auf die leeren Regale und Auslagen. Dann verschließt er die Tür für immer.

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