Lehrerin: „Ich hatte jeden Tag Angst vor dieser Schul-Hölle“ | Regional


Görlitz – Sie wollte Lehrerin werden und erlebte einen Albtraum: Marlies Lenz (64) kam als Quereinsteigerin an eine sächsische Mittelschule, um Migranten ohne Sprachkenntnisse zu unterrichten. Bei BILD spricht sie über ihren täglichen Horror.

„Das war die Hölle für mich“, sagt die 64-Jährige beim Blick auf die Mittelschule Reichenbach. Hier wollte die Frau, die einst Archäologie und Kunstgeschichte studiert hatte, eigentlich ihren großen Traum verwirklichen: Lehrerin werden, Kunst und Deutsch unterrichten und in den letzten zwei Jahren vor der Pensionierung etwas wirklich Sinnvolles tun. Monate später bleibt nur noch Bitterkeit.

Schüler schlagen ihren Lehrer

Die in der Erwachsenenbildung erfahrene Geisteswissenschaftlerin hat am 15. November ihre Tätigkeit aufgenommen. Ihr erster Auftrag: Unterrichten in einer sogenannten „DAZ“-Klasse („Deutsch als Zweitsprache“, Anm. d. Red.), in der vier 11- bis 14-jährige Schüler ohne Sprachkenntnisse saßen.

Was folgte, waren Stunden der Disziplinlosigkeit und Angst. „Die Jungs haben sich ständig gegenseitig verprügelt. Wenn ich etwas in einer Zeitschrift zeigen wollte, gaben sie mir sogar Ohrfeigen. Es war auch ein Mangel an Respekt mir gegenüber als Frau.“

An der Tür zu sehen: Marlies Lenz wurde nun gefeuert

An der Tür zu sehen: Marlies Lenz wurde nun gefeuert

Foto: ALEX SCHUMANN

Teppichmesser zur Selbstverteidigung

Einer der Schüler, ein Junge aus Venezuela, hatte immer einen Teppichmesser in seinem Federmäppchen dabei. Der Lehrer beschreibt es als angebliche Selbstverteidigung gegen die Syrer.

„Ich musste jeden Tag vier Stunden lang in der DAZ-Klasse unterrichten. Nach zwei Stunden war ich erschöpft. Ich kam nach dem Schultag nach Hause und war zu müde, um zu weinen.“

Irgendwann habe ich aufgehört, mich in Streitereien einzumischen

Hilfe von Kollegen bekam sie nicht: „Ich wurde geopfert, ich war Kanonenfutter und hatte immer Angst, dass etwas Schlimmes passieren würde.“ Irgendwann habe ich aufgehört, mich in Streitereien einzumischen. „Aus Angst um meine Brille.“

Zum Glück konnte sie die Beleidigungen, die ihr entgegengebracht wurden, nicht verstehen. Einer der Jungen, ein 13-Jähriger, war noch nie zur Schule gegangen. „Er konnte nichts tun.“ Lenz weiter: „Die Kinder waren bei mir psychisch auffällig, das habe ich auch der Schulleitung gemeldet.“

Den Schulbehörden gefielen die Beschwerden des Quereinsteigers offenbar nicht. Ihr Arbeitsverhältnis wurde vor Ablauf der Probezeit beendet. Gegenüber BILD wollte die Behörde den Fall nicht kommentieren.

Der Traum des Lehrers, der zum Albtraum wurde, ist vorbei.

In der Mittelschule erlebte der Quereinsteiger Schulhorror

In der Mittelschule erlebte der Quereinsteiger Schulhorror

Foto: ALEX SCHUMANN

An allgemeinbildenden Schulen in Deutschland arbeiten rund 709.000 Lehrkräfte. Die Teilzeitquote liegt bei rund 42 Prozent. Jeder 11. Lehrer ist Quereinsteiger oder Quereinsteiger: rund 60.800. An Berufsschulen liegt der Anteil sogar bei über 20 Prozent. Bis 2035 wird mit einem Lehrermangel von 68.000 gerechnet.

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