Schau in Wien zeigt Foto-Pionier René Groebli



Bewegung ist das Leitmotiv im Werk des Schweizer Fotografen René Groebli. Es durchdringt seine Bildsprache ebenso wie seine berufliche Entwicklung, die ihm – angetrieben von der Neugier auf die Möglichkeiten des Mediums – in den unterschiedlichsten fotografischen Genres Erfolg verschaffte. Ab Freitag zeigt das Wiener Fotomuseum WestLicht rund 100 Werke aus Groeblis Schaffensperiode.

Groebli wurde 1927 in Zürich geboren, begann 1942 zu fotografieren und ist ausgebildeter Dokumentarkameramann. Obwohl der heute 96-Jährige nie für das Kino gedacht war, gelten seine Fotografien nicht zuletzt aufgrund ihrer filmischen Dimension als bahnbrechend, wie WestLicht-Kurator Fabian Knierim in der Pressemitteilung schreibt. Bewegung zeigt sich besonders in seinen frühen Arbeiten aus Zürich, in seinen Straßenfotografien in London und Paris sowie in Groeblis Fotobüchern, wie die Ausstellung deutlich macht.

„Gröbli ist so etwas wie die Fotogeschichte der Nachkriegszeit in einer Person“, sagte Knierim im Interview mit der APA anlässlich einer Presseveranstaltung am Donnerstag. „Wir zeigen Bilder aus den 1940er bis 1970er Jahren. In dieser kurzen Zeit hat er in so vielen verschiedenen Genres brillant gearbeitet, dass man tatsächlich glaubt, es mit der Arbeit mehrerer Fotografen zu tun zu haben.“

Groebli arbeitete ab 1949 als Fotoreporter, die Bilder wurden in auflagenstarken Magazinen wie „Life“ und „Picture Post“ veröffentlicht. „Das hat er nur drei Jahre gemacht, aber er hätte in diesem Bereich eine sehr erfolgreiche Karriere machen können“, sagt Knierim. „Anfang der 1950er Jahre wandte er sich der Farbfotografie zu, einem damals völlig neuen Medium, an das sich noch kein ernsthafter Fotograf gewagt hatte.“ Groebli hingegen ging neue Wege und übernahm die Farbfotografie.

Ein gutes Beispiel für Groeblis Arbeit im Bereich der Farbfotografie ist sein Porträt eines Malers. „Das Bild besteht aus 13 Negativen, die zusammengefügt wurden“, erklärte Knierim. „Wenn man in das Bild hineinzoomt, erkennt man die einzelnen Farben und Oberflächenstrukturen wie auf einer Leinwand, sodass es fast wie gemalt aussieht. Das zeigt, welche Möglichkeiten zum Basteln die Farbfotografie bietet.“

Von großer Bedeutung im Schaffen des Schweizer Künstlers sind zwei Bücher, die auch im Mittelpunkt der Ausstellung stehen, die alle wichtigen Phasen abdeckt: Inspiriert vom Kino arbeitete er mit dem Schnitt für „Magie der Schiene“ (1949) und „Das Auge“. of Love“ (1954), Montage und schnelle Verwischung. Knierim: „Das ist klassische Autorenfotografie. Ein Fotograf nimmt ein Thema auf, bearbeitet es und veröffentlicht es – ohne Auftrag, als freie Arbeit. Diese Bücher sind revolutionär im Sinne einer fotografischen Erzählung.“

(SERVICE – „René Groebli“ im Fotomuseum WestLicht, Wien 7, Westbahnstraße 40, 5. April – 2. Juni, Di, Mi und Fr 14 – 19 Uhr, Do 14 – 21 Uhr, Sa, So und Feiertage 11 Uhr – 19 Uhr, www.westlicht.at)

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