Sechsfache Mordanklage – Brand in Wohnheim gelegt: Stimmen nur erfunden?



Ende November loderten Flammen in einem Wiener Wohnheim für psychisch Kranke – ein 68-Jähriger erlag noch vor Ort einer Rauchvergiftung. Der Brandstifter (23), gegen den inzwischen sechs Mordvorwürfe drohen, spricht von Stimmen, die ihm befohlen hätten, das Feuer anzuzünden. Ist das alles nur gespielt?

„Stellen Sie sich vor, Sie sind Pflegekraft in einem Wohnheim. Mitten in der Nacht ertönt plötzlich der Feueralarm und man geht davon aus, dass es sich um eine Probe handelt. Da steht ein Bewohner der Anlage vor Ihnen und schreit: „Es brennt!“ schildert der Staatsanwalt der Jury anschaulich. „Was für Sie jetzt wie ein schlimmer Albtraum klingt, ist tatsächlich einer Wiener Pflegekraft und vielen Bewohnern passiert.“ „Für einen Bewohner kam jede Hilfe zu spät“ In der Nacht vom 26. auf den 27. November 2023 kam es zu einem verheerenden Brand in einem Wohnheim des Vereins LOK – Leben ohne Krankenhaus – im 23. Bezirk. Mit enormer Rauch- und Rußentwicklung, wie ein Gutachter berichtet. „Jede Hilfe kommt für einen Bewohner zu spät“, schildert der Staatsanwalt das traurige Schicksal eines 68-Jährigen. Sie starb an einer Rauchvergiftung. Einmal Mord, fünfmal versuchter Mord. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gibt es einen Verantwortlichen für den Todesfall: einen 23-jährigen ehemaligen Bewohner der Einrichtung für psychisch Kranke, der in der Brandnacht eine Jacke im Gebäude anzündete. Im großen Schwurgerichtssaal des Wiener Landesgerichts muss er sich nun einer umfangreichen Mordanklage stellen – nach Abschluss blieb es in fünf Fällen bei einem Versuch… Warum? Der junge Wiener spricht von Stimmen, die ihm befahlen, Feuer zu legen. Er litt seit seiner Kindheit an verschiedenen Krankheiten – Epilepsie, Autismus und später einer kombinierten Persönlichkeitsstörung. „Sein Leben war eigentlich von Anfang an nicht einfach. Er befindet sich seit seiner Geburt in ärztlicher oder therapeutischer Behandlung.“ Dazu kamen in seiner Jugend Alkohol, Drogen und schließlich hörte er Stimmen. Wahnsinn gerade gespielt? Für Beobachter scheint alles auf Wahnsinn hinzudeuten. Das stellt der Gutachter, Psychiater Peter Hofmann, in seinem Gutachten fest. Trotz seiner Persönlichkeitsstörung hätte der 23-Jährige genau gewusst, was er tat, als er im Wohnheim die Jacke anzündete. Er ist sehr vernünftig, die Stimmen sind reine Schutzbehauptung. Diese Version hält er auch vor dem Richter aufrecht. So bleibt der Staatsanwältin immer noch die Frage nach dem Warum: „Wenn es nicht die Stimmen waren, fragen Sie sich wahrscheinlich zu Recht, was ist dann das Motiv“, wendet sie sich an die Jury – „Ich habe keine.“ „Im Moment ist die Antwort darauf zufriedenstellend.“ Zeugen und der psychiatrische Gutachter sollten dies im Laufe des Prozesses klären. Im Falle einer Verurteilung drohen dem 23-Jährigen eine lebenslange Haftstrafe und die Unterbringung in einem forensischen Therapiezentrum.

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