Pflegerin verurteilt – Nach 17 Jahren: Erneute Haft im Testamentskrimi



Fast zwei Jahrzehnte, Dutzende Verhandlungstage, verschiedene Richter und noch mehr Experten. So lässt sich das Verfahren wegen versuchter Testamentsfälschung im Jahr 2006 zusammenfassen. Nun sind bereits zum zweiten Mal Urteile am Landesgericht Wien gefallen.

Vor 17 Jahren soll sich Folgendes zugetragen haben: Der Betreuer einer in Wien lebenden wohlhabenden Schweizerin soll deren Nachlass gefälscht haben. Mit vier Komplizen: ihrem Partner und drei Zeugen des Testaments. Sie hätte ein Vermögen im Wert von fünf Millionen Euro geerbt. Von Mordermittlungen bis hin zu schwerem Betrug Kurz nach der Testamentserrichtung verstarb der Rentner. Der Beginn eines echten Krimis: Damals stand auch ein Mord im Raum. Die Anklage lautete letztlich auf versuchten schweren Betrug und Urkundenfälschung. Wiedereröffnung nach Privatanzeige Bereits 2010 entschied das Landesgericht Wien, dass die Unterschrift gefälscht sei. Das OLG bestätigte dieses Urteil. Die Krankenschwester wurde zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Ein privates graphologisches Gutachten ermöglichte jedoch wenig später eine Wiederaufnahme. Also fanden die Verhandlungen erneut statt. Das Ergebnis war dasselbe: Das Zittern – unwillkürliches Zittern – unter dem das Opfer litt, machte es unmöglich, ein Testament in dieser Form zu unterzeichnen. Das Gericht geht daher davon aus, dass der Erstangeklagte gefälscht hat und dass es sich bei den drei Männern um Mittäter handelte. Fünf Jahre Gefängnis für die ehemalige Krankenschwester. Der Krankenschwester werden deshalb fünf Jahre Gefängnis auferlegt, gegen die sie umgehend Nichtigkeitsklage einreicht. Ihre Komplizen kommen mit geringeren Haftstrafen davon: 27 Monate festgesetzt für ihren Partner und 13 Monate jeweils teilweise zur Bewährung für die drei Angeklagten. Keines der Urteile ist endgültig. Die Erbschaft wurde den rechtmäßigen Erben bereits vor Abschluss des Strafverfahrens durch ein Zivilgericht zugesprochen. Deshalb war der Testamentskrimi nur ein Versuch.

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