Das Problem mit den Plastikverpackungen


WZ | Ina Weber

Wir sammeln Plastikverpackungen fleißig im Gelben Sack oder der Gelben Tonne – wie viel davon wird tatsächlich recycelt?

Dieter Schuch

Alles wird recycelt, auch thermisch, doch nur etwa 50 Prozent der enthaltenen Kunststoffe werden recycelt.

WZ | Ina Weber

Bedeutet das, dass die Hälfte der Plastikverpackungen, die ich als Verbraucher sammle, recycelt wird?

WZ | Ina Weber

Warum sammeln wir nicht gezielt nur bestimmte Kunststoffarten, die derzeit wirklich recycelt werden können?

Dieter Schuch

Zukünftige Recyclingziele können nur erreicht werden, wenn wir möglichst viele Verpackungen getrennt sammeln. Als Bandüberlauf werden alle Materialien bezeichnet, die aktuell nicht von den Sortiermaschinen aussortiert werden können. Um diesen Bandüberlauf zu reduzieren, müssen wir Verpackungen künftig so gestalten, dass sie den sogenannten Design for Recycling-Kriterien entsprechen und somit richtig erkannt werden können. Gleichzeitig arbeiten wir an neuen Technologien, die es Sortieranlagen ermöglichen, noch effizienter zu sortieren. Eine Einschränkung wäre daher kontraproduktiv, da Verpackungen künftig grundsätzlich recycelbar gemacht werden sollen und künftige Sortiersysteme noch effizienter sortieren.

WZ | Ina Weber

Warum ist es so schwierig, Kunststoffverpackungen zu recyceln?

Dieter Schuch

Die Verpackung besteht oft nicht nur aus einer, sondern aus mehreren Kunststoffarten, die sich nicht einfach trennen lassen. Unsere Sortieranlagen sind in die Jahre gekommen und wir arbeiten ständig an neuen Technologien. Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben. Die PET-Flasche aus Polyethylenterephthalat verfügt über einen Stopfen aus Polypropylen. Es handelt sich also um zwei unterschiedliche Materialien. In diesem Fall spielt das keine Rolle, da sich die beiden Stoffe problemlos im Schwimm-Sink-Verfahren trennen lassen. Die Flasche hat eine Dichte von mehr als 1 und der Stopfen hat eine Dichte von weniger als 1. Wäre der Stopfen jedoch aus Polystyrol gefertigt, hätte dieser Kunststofftyp die gleiche Dichte wie die Flasche. Das würde sich vermischen und das, was dabei herauskommt, wäre für eine Wiederverwendung unbrauchbar. Damit meine ich, dass man nicht unbedingt nur eine Kunststoffsorte verwenden muss, sondern wissen muss, wie dieser recycelt werden kann.

WZ | Ina Weber

Es gibt bereits viele Verpackungen aus unterschiedlichen Materialien. Oft ist Papier dabei und man hat den Eindruck, dass es besser für die Umwelt ist. Ist das so?

Dieter Schuch

Neue, vermeintlich besser recycelbare Verpackungen sind oft gar nicht der Fall. Grundsätzlich gilt: Je weniger unterschiedliche Materialien in der Verpackung, desto besser.

WZ | Ina Weber

Die Recyclingquote für Kunststoffverpackungen liegt in Österreich derzeit bei 25 Prozent. Damit wird ein Viertel der Kunststoffverpackungsmenge in Österreich recycelt. Die Europäische Union fordert bis 2025 eine Quote von 50 Prozent. Was genau passiert derzeit für uns, um dieses Ziel zu erreichen?

Dieter Schuch

Wir haben die Sammlung erweitert. Seit Jänner werden in Österreich sämtliche Kunststoffverpackungen im Gelben Sack bzw. der Gelben Tonne gesammelt. Wir erweitern und promoten unsere Mülltrennungs-App Digi-Cycle stetig und bauen zusätzlich zu unseren 15 Sortieranlagen neue, darunter eine im Ennshafen in Oberösterreich, damit wir mehr als 50 Prozent aussortieren können. Wir müssen es schaffen, Sortierreste besser zu nutzen. Unser Ziel ist eine Recyclingfähigkeit von 80 Prozent. Wenn wir an all diesen Stellschrauben drehen, denke ich, dass wir es schaffen werden.

WZ | Ina Weber

Laut EU-Richtlinien sollen bis 2030 alle Kunststoffverpackungen recycelbar sein. Wie soll das gehen?

Dieter Schuch

Es wird erwartet, dass die EU entsprechende Kriterien für den gesamten EU-Raum festlegt. Noch handelt es sich um einen Entwurf für eine neue Verpackungsverordnung. Das Thema ist bei allen relevanten Behörden angekommen. Die Verpackung wird analysiert und Maßnahmen bewertet. Die Rahmenbedingungen dafür, was genau als recycelbar gilt, wurden von der EU allerdings noch nicht festgelegt. Einige Unternehmen warten noch, weil sie die rechtlichen Kriterien noch nicht kennen. Wir hoffen auf eine zeitnahe Veröffentlichung, damit sich die Produzenten darauf vorbereiten können. Es kann nicht sein, dass Sie für jede Verpackung eine eigene Studie benötigen. Einige Unternehmen befinden sich daher weiterhin in der Warteschleife.

WZ | Ina Weber

Welche Kriterien meinen Sie damit?

Dieter Schuch

Es gibt eine Reihe von Designrichtlinien. Für jede Kunststoffart wird festgelegt, welche Zusatzstoffe verwendet werden dürfen, welche Farben und wie die Bedruckung aussehen soll. Bei der Neugestaltung einer Verpackung müssen viele Dinge berücksichtigt werden. Wenn ich mich als Verpackungshersteller zu etwas verpflichte und das Gesetz dann anders aussieht, habe ich ein Problem.

WZ | Ina Weber

Ein weiterer Versuch, mehr Plastik wieder in den Kreislauf zu bringen, ist das neue Pfandsystem, das 2025 in Österreich eingeführt wird. Das erste Pfandsystem auf Einwegverpackungen und nicht mehr nur auf Mehrwegprodukten. Wie sieht das genau aus?

Dieter Schuch

Geplant ist, dass für Einweggetränkeverpackungen aus Kunststoff und Metall von 0,1 bis 3 Liter ein Pfand erhoben wird. Der Pfandbetrag beträgt 0,25 Cent pro Verpackung. Diese Dosen und Flaschen können im Handel, aber auch in der Gastronomie zurückgegeben werden. Die Rücknahme erfolgt an Rückgabeautomaten. Letzte Betreiber ohne Automaten müssen lediglich die von ihnen angebotenen Behälter zurücknehmen, sodass Sie Ihren Big Bag nicht einfach am Würstchenstand um die Ecke abgeben können. Ziel ist es, die Rendite zu steigern.

WZ | Ina Weber

Was ist wiederverwendbar und was ist Einweg?

Dieter Schuch

Mehrwegsysteme gab es schon immer und es gibt sie auch heute noch. Bier, Mineral, Revivals wie Mehrweg-PET-Flaschen. Auch für Milch wurden wieder Mehrwegsysteme aus Glas eingeführt. Der große Unterschied ist: Bei Mehrwegflaschen werden die Flaschen immer zurückgenommen, gereinigt und wieder aufgefüllt. Einwegverpackungen werden nur einmal befüllt, verarbeitet und anschließend wieder Teil eines Produkts, also recycelt. In Deutschland ist zu beobachten, dass die Unterscheidung für Verbraucher zunehmend verschwimmt. Auf Mehrweg- und Einwegprodukten gibt es schon seit Längerem Pfand. Sie sollten daher vorsichtig sein, was Sie kaufen. Wir dürfen nicht den gleichen Fehler machen wie in Deutschland, dass wir nicht mehr wissen, was Einweg und was Mehrweg ist.

WZ | Ina Weber

Warum eigentlich? Was ist besser?

Dieter Schuch

Das ist eine alte Diskussion. Hierzu gibt es viele Ökobilanzen. Dabei kommt es häufig auf die Transportwege an: Je weiter die Transportwege entfernt sind, desto stärker spielt das Gewicht eine Rolle. Einwegprodukte sind oft leichter. Regional wiederverwendbar ist meist besser. Daher ist eine differenzierte Betrachtung erforderlich. Aber rein aus der Abfallhierarchie ist Mehrweg besser, weil Abfall vermieden wird.

WZ | Ina Weber

Wie kann ich als Verbraucher erkennen, ob eine Verpackung aus recyceltem Material besteht? Gibt es dafür ein spezielles Logo?

Dieter Schuch

Der Einsatz von Recyclinganteilen kann freiwillig angegeben werden. Hierfür stehen unterschiedliche Logos und Markierungen zur Verfügung.

WZ | Ina Weber

Welchen Wert hat Plastik eigentlich?

Dieter Schuch

Kunststoff hat sich als Verpackungsmaterial grundsätzlich durchgesetzt. Es ist leicht, meist transparent und schützt beispielsweise Produkte für Lebensmittel. Man darf nicht vergessen, dass Verpackungen einen Zweck haben. Natürlich haben sortierte Kunststoffe den Wert, dass sie wiederverwendet werden können. Allerdings sind die Kosten für die getrennte Sammlung und Sortierung weitaus höher als der Erlös aus den Abfallstoffen selbst.

WZ | Ina Weber

Wird es in Zukunft mehr oder weniger Plastikverpackungen geben?

Dieter Schuch

Es sollte eine Reduzierung der Plastikverpackungen bzw. eine Reduzierung aller Verpackungsmaterialien erfolgen. Es gibt Reduktions- und Mehrwegziele. Mittlerweile hat die EU sogar Mehrweg-Ziele für Take-Away-Verpackungen und den Bereich Transportverpackungen festgelegt.

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