AMS-Vorständin Petra Draxl: „Gegen eine 32 Stunden-Woche“


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Weiterdenken – der WZ-Podcast

Jede Woche präsentieren wir eine neue Geschichte, stellen Ihre Fragen und gewähren Einblicke in unser 320 Jahre altes Archiv. Petra Tempfer und Bernd Vasari sprechen mit Experten, Anwälten und Politikern im Studio über aktuelle Ereignisse und Hintergründe und besuchen Menschen auch direkt vor Ort.

Abbildung: Eine Armbanduhr, die statt klassischer Zeiger über eine offene Schere im Inneren verfügt, die das Thema Arbeitszeitverkürzung visuell verdeutlichen soll.
„Eine Arbeitszeitverkürzung würde ein Vielfaches an Arbeitskräften erfordern, die wir nicht haben“, sagt Draxl.
© Mitten auf der Reise

Petra Draxl schaffte es als erste Frau in den Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS). „Vor 30 Jahren wäre das unmöglich gewesen“, sagt sie im Podcast-Gespräch mit WZ-Redakteur und Moderator Bernd Vasari. Noch immer sind Frauen in Führungspositionen in der Minderheit. Man sollte daher nicht vor Diskussionen über Frauenquoten zurückschrecken. „Wenn mir jemand sagt, dass ich der Quotenanteil bin, dann antworte ich: Ja, das ist gut und das beißt nicht“, sagt Draxl.

Besonders deutlich zeigt sich das Geschlechterungleichgewicht bei der Teilzeitarbeit. Für Frauen mit Kindern unter 15 Jahren ist die Teilzeitbeschäftigung die dominierende Form der bezahlten Arbeit. Die Teilzeitquote für Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren mit Kindern unter 15 Jahren liegt bei 72,8 Prozent. Bei Männern mit Kindern unter 15 Jahren liegt die Teilzeitquote hingegen nur bei 6,8 Prozent. Im Vergleich zu Männern verfügen Frauen über deutlich höhere Bildungsabschlüsse. Denn in Familien seien in erster Linie Mütter für die Kinder verantwortlich, sagt Draxl. Erschwerend kommt hinzu, dass es im ländlichen Raum nur unzureichende Angebote zur Kinderbetreuung gibt. „Wir haben massive regionale Unterschiede“, sagt sie. „Wenn gute Kinderbetreuung angeboten wird, ist das ein Wettbewerbsvorteil für Regionen.“ Sie fordert entscheidende Schritte. „Man muss Geld in die Hand nehmen, man braucht das Recht auf Kinderbetreuung. Notwendig ist auch ein kultureller Mentalitätswandel, sodass Eltern ihre Arbeitszeit gleichmäßig aufteilen und beide beispielsweise 30 Stunden arbeiten.“

Draxl rät ländlichen Regionen, die stark von Abwanderung betroffen sind: „Die Regionen müssen sich als Migrationsregionen verstehen.“ Sie müssten darüber nachdenken, wie sie andere Menschen in ihren Bereich holen, wie sie andere Menschen integrieren können. Außerdem muss das Land etwas urbaner werden. Denn die Menschen wünschen sich ein bestimmtes städtisches Angebot, um in der Region zu bleiben.“

Die Spitze des AMS teilen sich der ÖVP-nahe Johannes Kopf und die SPÖ-nahe Petra Draxl. SPÖ-Chef Andreas Babler forderte kürzlich die Einführung einer 32-Stunden-Woche. Von diesem Vorschlag distanziert sich Draxl jedoch: „Eine sofortige Reduzierung der Arbeitszeit kann ich mir nicht vorstellen. Im Dienstleistungsbereich fehlt die Effizienz, um Ihre Patienten in 32 Stunden betreuen zu können. Das würde dazu führen, dass wir ein Vielfaches an Arbeitskräften benötigen, die wir nicht haben.“

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